BP:
 

Berufliches Lernen – Bedingungen, Diagnostik und Förderung

Das Ziel des Clusters besteht darin, Empfehlungen für die evidenzbasierte Gestaltung einer kompetenzorientierten beruflichen Bildung bereitzustellen.

Es bündelt Arbeiten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Erforschung beruflicher Lernprozesse, zur Entwicklung berufsspezifischer Kompetenzmodelle und Verfahren der Kompetenzmessung sowie zur Erprobung kompetenzorientierter Lehr‑/ Lernkonzepte. Um dem ganzheitlichen Charakter des Konzepts der beruflichen Handlungskompetenz gerecht zu werden, wird im Themencluster neben der Betrachtung fachlicher Kompetenzen ein inhaltlicher Schwerpunkt auch auf die Erforschung sozialer und personaler Kompetenzen gesetzt.

Hintergrund: In allen Bildungsbereichen hat in den vergangenen Jahren ein Paradigmenwechsel von einer Input- hin zu einer Output- und damit verbundenen Kompetenzorientierung stattgefunden, der auch die berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung betrifft. Die bildungspolitische Wende hin zur Kompetenzorientierung wirft für die berufliche Bildung verschiedene Fragen auf, denen im Rahmen des Themenclusters "Berufliches Lernen" nachgegangen wird.

Exemplarische Leitfragen

In Studien erweisen sich verschiedene Merkmale von Lernenden immer wieder als förderlich für berufliches Lernen. Diese reichen von der bisherigen Lernbiografie über Einstellungen und Motivation bis hin zu Persönlichkeitseigenschaften und kognitiven Voraussetzungen. In den Projekten des Themenclusters werden die für die jeweiligen Fragestellungen relevanten Merkmale erhoben, um ihre Bedeutung für die im Fokus stehenden Kompetenzen zu untersuchen. Für die Evaluationsstudie zum Training für sozial-emotionale Kompetenzen im Projekt ProSECoM sind das z. B. sprachliche Intelligenz, Motivation, berufliche Selbstwirksamkeit und Trainingszufriedenheit, im Projekt „Mehr Sprache“ z. B. Sprachbiografien und Erfahrungen mit der Sprachverwendung im Betrieb.

Zum aktuellen Zeitpunkt liegen aus beiden Projekten zu diesen Themen noch keine Ergebnisse vor. In bereits abgeschlossenen Projekten des BIBB (z. B. zu fachlichen Kompetenzen in den Berufen Mechatroniker/-in, Fachinformatiker/-in und Bankkaufmann/-frau sowie zu den sozialen Kompetenzen von Medizinischen Fachangestellten und Bankkaufleuten) zeigten sich die kognitive Grundfähigkeit, das fachspezifische Vorwissen, Gewissenhaftigkeit und die Lernmotivation einflussreich für den erreichten fachlichen Kompetenzstand, für die sozialen Kompetenzen zusätzlich Verträglichkeit und eine prosoziale Einstellung.

Auch bezüglich der Lernumgebungen weist die Literatur verschiedene Merkmale als förderlich für berufliches Lernen, aber auch für den Transfer von Trainingsinhalten in das berufliche Handeln aus. Diese reichen vom Verhalten der Ausbildenden bzw. Vorgesetzten und dem Teamklima über arbeitsstrukturelle Merkmale bis hin zur Gestaltung der konkreten Arbeitsaufgaben. In den Projekten des Themenclusters wird der Einfluss einer Auswahl der für die jeweilige Fragestellung relevanten Merkmale untersucht. Für die Evaluationsstudie zum Training für sozial-emotionale Kompetenzen im Projekt ProSECoM sind das für die Ausbildungsbedingungen im Betrieb z. B. Übungsgelegenheiten für die Kompetenzen aus den Trainings, Teamklima und Offenheit im Team, im Projekt „Mehr Sprache“ z. B. die Bewertung, Förderung und Nutzung von Sprachen wie z.B. Italienisch und Polnisch im Betrieb.

Ebenso wie zu den Merkmalen der Auszubildenden liegen aus den laufenden Projekten zu diesen Themen noch keine Ergebnisse vor. In bereits abgeschlossenen Projekten des BIBB zu fachlichen Kompetenzen in den Berufen Mechatroniker/-in und Fachinformatiker/-in zeigte sich ein förderlicher Einfluss verschiedener Umgebungsmerkmale auf die Lernmotivation, die wiederum mit dem erworbenen Fachwissen zusammenhing. Im Ausbildungsberuf Mechatroniker/-in waren dies für den Lernort Betrieb vor allem die Beziehung zu den Kollegen und Kolleginnen, der Anregungsreichtum der Aufgaben und die zeitliche Überforderung, für den Lernort Schule die wahrgenommene Relevanz der fachlichen Inhalte, die soziale Einbindung und das Autonomieempfinden. In einem weiteren Projekt zu den sozialen Kompetenzen von Bankkaufleuten waren diese tendenziell höher ausgeprägt, wenn sich die Lernumgebung im Betrieb durch einen höheren kundenorientierten Handlungsspielraum auszeichnete.

Eine Befragung von Auszubildenden zu Medizinischen Fachangestellten (MFA) zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre Ausbildung konnte Bedingungen in den Betrieben identifizieren, unter denen die Belastungen in dieser speziellen Situation von den Auszubildenden besser bewältigt werden konnten. Dies waren allen voran eine positive Teamatmosphäre, eine effiziente Organisation der Praxis und Übungsgelegenheiten für Ausbildungsinhalte.

Fragen zur Diagnostik beruflichen Lernens werden im Cluster sowohl kompetenzübergreifend als auch kompetenzspezifisch bearbeitet. In zwei Reviews wurde im Rahmen der im BIBB durchgeführten wissenschaftlichen Begleitung der Forschungs- und Transferinitiative ASCOT+ der Stand der Kompetenzmodellierung und -messung national und auch international systematisch aufgearbeitet und in zwei Publikationen zusammengefasst. Die Reviews zeigen auf, welche Messverfahren existieren, welche Kompetenzbereiche sie abdecken und was sie leisten. Ebenfalls aus einer übergreifenden Perspektive wurde der Einfluss der digitalen Transformation auf das Prüfungswesen der Berufsbildung in Deutschland untersucht, ein erster Überblick über den aktuellen Stand der Digitalisierung des Prüfungswesens herausgearbeitet und Empfehlungen für die Weiterentwicklung abgeleitet. Demnach wird das Prüfungswesen durch die digitale Transformation vor Herausforderungen gestellt, auf die es mit Anpassung und digitalen Innovationen reagiert. Insbesondere die Bereiche technologische Ausstattung, Qualifizierung aller an Prüfungen beteiligten Personen und Rechtssicherheit stellen wichtige Themen für den weiteren Prozess der Digitalisierung des Prüfungswesens dar.

Für den Komplex sozialer und personaler Kompetenzen werden im Themencluster einzelne Kompetenzbereiche vertiefend in den Blick genommen und eigene Modelle und Messverfahren entwickelt. Für die sozialen und emotionalen Kompetenzen von medizinischen Fachangestellten und Bankkaufleuten wurden Kompetenzmodelle und dazu passende Situational Judgement Tests entwickelt, mit denen Kompetenzstände und auch -entwicklungen berufsspezifisch erfasst werden können. Bei dieser Art von Messverfahren müssen die Teilnehmenden Fragen zu ihrer eigenen Reaktion in Vignetten kritischer Interaktionssituationen beantworten, wobei aus den Antworten Rückschlüsse auf die vorhandenen Kompetenzen gezogen werden. Die Methode hat sich bereits in mehreren BIBB-Projekten als tragfähig erwiesen, um soziale Kompetenzen mit einem hohen Realitäts- und Anwendungsbezug und zugleich theoretisch fundiert zu messen.

Für den Kompetenzbereich internationale Handlungskompetenz wurde ein Kompetenzbaukasten für die Ordnungsarbeit erarbeitet, der das Konzept definiert und Formulierungsvorschläge für eine kompetenzorientierte Integration in Ausbildungsordnungen liefert. Der Baukasten stellt ein Beispiel dar, wie wissenschaftliche Arbeiten für die Nutzung in der Ordnungsarbeit und Praxis aufbereitet und zugänglich gemacht werden können. Nach diesem Vorbild könnten zukünftig weitere Erkenntnisse nutzbar gemacht werden. Beispielsweise können die im Themencluster entwickelten Modelle und Messverfahren für soziale und emotionale Kompetenzen (vgl. vorherige Frage) sowie die hierbei gewonnenen Erkenntnisse über einen Baukasten verbreitet werden, um diese Kompetenzen für Ordnungsmittel, Prüfungen und Anerkennungsverfahren zukünftig fundierter beschreiben und in der Bildungspraxis berücksichtigen zu können.

Im Projekt „Mehr Sprache“ wird ermittelt, welche Bedeutung Zertifizierungen sprachlicher Kompetenzen im Bewerbungsprozess aus der Sicht von Unternehmen und Erwerbstätigen haben und Hinweise für die Weiterentwicklung von Zertifikaten formuliert.

Für den Bereich der sozialen und emotionalen Kompetenzen wurde im Projekt ProSECoM ein digitales Training für den Ausbildungsberuf Medizinische/-r Fachangestellte/-r (MFA) entwickelt, das Auszubildende selbständig nutzen können. Die Auszubildenden sollen Wissen zum Umgang mit schwierigen Emotionen oder zur Kommunikation in kritischen Interaktionssituationen erwerben und die Anwendung in Aufgaben mit ansteigender Schwierigkeit anhand konkreter Fallbeispiele üben. Das Training folgt einem Aufbau aus den fünf Schritten Problemsensibilisierung, Wissensvermittlung, Übungsteil, Reflexion und Artikulation und bietet dabei viele realitätsnahe Videobeispiele und Übungen an. Eine Herausforderung stellt die heterogene Zielgruppe dar. Um dem zu begegnen, werden beispielsweise Vorleseoptionen angeboten. Außerdem kommt ein Avatar zum Einsatz, der bei Bedarf Dinge erläutert oder wiederholt. Das Training wurde zunächst pilotiert und auf Basis der Ergebnisse weiter an die Bedarfe der Zielgruppe angepasst. Anschließend nahmen über 500 Auszubildende an einer Evaluationsstudie mit Kontrollgruppe und einem Prätest-, Posttest-, Follow up-Design teil. Hierbei zeigen sich Kompetenzzuwächse nach Teilnahme am Training, sodass sich der gewählte Förderansatz als geeignet zu erweisen scheint und somit prinzipiell auch auf andere Zielgruppen und Kompetenzbereiche übertragen werden kann.

Auswertungen im Projekt Mehr Sprache zufolge benötigen Unternehmen neben Englisch viele unterschiedliche Sprachen, wobei die Anzahl der Nachfragen deutlich unter der von Englisch liegt. Für ausgewählte Sprachen kann zudem gezeigt werden, dass die Nachfrage in bestimmten Berufen besonders hoch ist. Es werden Überlegungen angestellt, wie Lernangebote in der beruflichen Aus- und Weiterbildung organisatorisch, inhaltlich und didaktisch beschaffen sein sollten, um den Erwerb berufsbezogener Sprachkompetenzen zu fördern.

1.4.002 - Mehr Sprache: Mehrsprachigkeit im Beruf

Laufzeit I-23 bis IV-25

Sich im Beruf fachlich kompetent und situativ angemessen sprachlich äußern zu können, ist Teil beruflicher Handlungskompetenz. In der Ausbildung werden Auszubildenden gezielt entsprechende sprachlich-kommunikative Kompetenzen vermittelt. Dies erfolgt selbstredend in deutscher, in zahlreichen Ausbildungsberufen auch in englischer Sprache. Über entsprechende Angebote in anderen Sprachen ist wenig bekannt. In dem Forschungsprojekt stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie stellt sich die Nachfrage nach und die berufliche Verwendung von Sprachen über die gängigen Schulfremdsprachen hinaus dar? Welche sprachlich-kommunikativen Anforderungen sind zu bewältigen und reichen die - teilweise informell - erworbenen Sprachkompetenzen hierfür aus? Wie werden in der Arbeit berufsbezogene sprachliche Kompetenzen aufgebaut? Wie stellt sich der Umgang, die Bewertung und Verankerung von Mehrsprachigkeit in Unternehmen und im System der beruflichen Ausbildung dar? Diesen Fragen wird auf individueller, betrieblicher und der Ebene des Ausbildungssystems nachgegangen.

weiterlesen

1.2.302 - Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen in der beruflichen Bildung: Eine Studie zu Medizinischen Fachangestellten in der Ausbildung

Laufzeit III-19 bis II-25

Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Evaluation eines Trainings für soziale und emotionale Kompetenzen von Medizinischen Fachangestellten (MFA) in der Ausbildung. Es sollen Lehr-/Lernmethoden entwickelt werden, mit denen berufsspezifische soziale und emotionale Kompetenzen der Zielgruppe effektiv gefördert werden können. Gleichzeitig sollen die Methoden langfristig in die Ausbildungspraxis in Schulen und/oder Ausbildungsbetrieben (Praxen/Kliniken/Einrichtungen im Gesundheitsbereich) integrierbar sein. Die Arbeiten bauen auf den Ergebnissen des Projekts "Kompetenzdiagnostik durch Simulation und adaptives Testen für medizinische Fachberufe 'CoSMed' – Teilvorhaben: Messung sozial-kommunikativer Kompetenzen bei Medizinischen Fachangestellten" der Forschungsinitiative ASCOT des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) auf.

Technologiebasierte Kompetenzmessung in der beruflichen Bildung (ASCOT) - Ergebnisse und Bedeutung für Politik und Praxis

zur Projektseite

weiterlesen