Durchlässigkeit
Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung ist ein wichtiges bildungspolitisches Ziel, um individuell flexible Bildungschancen zu ermöglichen und gut qualifizierte Fachkräfte für die Zukunft auszubilden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in den letzten Jahren rechtliche Grundlagen geschaffen und mit Beteiligung des BIBB Förderprogramme zur Entwicklung und Umsetzung durchlässiger Bildungsangebote gestartet.
weiterlesenDabei wird unter Durchlässigkeit u.a. die reziproke, d.h. beidseitige Möglichkeit eines Übergangs zwischen beruflicher und akademischer Bildung verstanden, unter Berücksichtigung bereits erworbener Kompetenzen sowie der Annäherung der Bildungsbereiche durch Vergleichbarkeit und Validierung von Lernleistungen. Maßnahmen zur Verbesserung der Durchlässigkeit ermöglichen demnach vielfältige und flexible Aus- und Weiterbildungswege.
Durchlässiges Bildungssystem – Herausforderungen
Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demografische Wandel stellen das Bildungssystem vor große Herausforderungen. Diese Transformationsprozesse verändern Berufe und Tätigkeiten grundlegend. Eine zentrale Aufgabe des Bildungssystems ist es, Menschen darauf vorzubereiten und sie zu befähigen, diese Veränderungen aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig muss es flexibel auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen wie den Fachkräftemangel reagieren. Ein durchlässiges Bildungssystem kann hier eine Schlüsselrolle spielen. Es schafft Zugangsmöglichkeiten, verbindet berufliche Aus- und Weiterbildung und erleichtert den Wechsel zwischen Bildungsbereichen. So können individuelle Potenziale besser genutzt werden. Damit dies gelingt, sind gemeinsame Weiterentwicklungen erforderlich – etwa bei Schnittstellen und Übergängen, der Anerkennung und Anrechnung von Kompetenzen sowie bei Information und Beratung. Nur durch Zusammenarbeit und bedarfsorientierte Lösungen können diese Ziele erreicht werden.
In diesem Kontext stellt die Einigung von Bund (BMBF) und Ländern (KMK) auf die Einführung des „Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen – DQR“ im Mai 2013 einen Meilenstein dar. Für die Zuordnung erworbener Qualifikationen stehen acht unterschiedliche Niveaus zur Verfügung. Dadurch, dass er Gleichwertigkeiten und Unterschiede von Qualifikationen transparent macht, kann der DQR einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Durchlässigkeit leisten.
BIBB-Hauptausschuss-Empfehlungen zur Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung
Der BIBB-Hauptausschuss hat am 1. September 2020 einstimmig die „Empfehlungen zur Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung“ beschlossen. Damit wurde die „BIBB-Empfehlung zur Förderung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung“ von 2010 (Nr. 139) aktualisiert und weiterentwickelt. Im aktuellen Beschluss wird u.a. empfohlen, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Bildungsbereichen zu fördern, damit u.a. „Curricula fachlich, methodisch und begrifflich so gestaltet werden, dass sie eine unmittelbare Vergleichbarkeit von Kompetenzen ermöglichen“. Weitere Empfehlungen zielen auf eine systematische berufliche Orientierung in allen Schulformen, die Ermöglichung einer individuellen, flexiblen Bildungs- und Berufswegegestaltung sowie die Überwindung rechtlicher und ökonomischer Hürden.
Strategien für mehr Durchlässigkeit
In der Praxis werden drei Strategien der Gestaltung durchlässiger Bildungswege verfolgt:
- Erleichterung wechselseitiger Übergänge zwischen Berufsbildung und Hochschule (reziproke Durchlässigkeit)
- Die Kombination beruflicher und hochschulischer Bildungs- und Lernformen (hybride Bildungsformen)
- Die Entwicklung innovativer, bereichsübergreifender Bildungsgänge mit Gültigkeit in Berufsbildung und Hochschule (konvergente Bildungsformen)