Nach wie vor bleibt die Weiterbildungsbeteiligung von Erwerbspersonen in Deutschland hinter den national und international gesetzten Zielen zurück. Angesichts demografischer Entwicklungen und einer verlängerten Lebensarbeitszeit gewinnen jedoch die Erhöhung des Fachkräftepotenzials durch gezielte Nachqualifizierung und das Weiterlernen nach Abschluss einer beruflichen Erstqualifikation an Bedeutung. Die Beiträge nehmen das Teilnahmeverhalten unterschiedlicher Adressatengruppen in den Blick und erörtern Handlungsmöglichkeiten, wie die Beteiligung an beruflicher Weiterbildung durch öffentliche Förderprogramme, finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen oder betriebliche Modelle gefördert werden kann. Im Editorial betont BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser, dass Bildung die zentrale Ressource in unserem Land ist und folglich Weiterbildung ein Zukunftsthema bleibt. Um die Weiterbildungsbeteiligung zu fördern hebt er vier Punkte hervor, die besonders zu beachten sind. Weitere Beiträge im Heft befassen sich mit dem Hochschulzugang von Studienberechtigten aus der beruflichen Bildung sowie Modellen der Schulischen Berufsausbildung mit Kammerabschluss gemäß § 43 Abs. 2 BBiG.
Deutschland verfügt über ein ausdifferenziertes Weiterbildungssystem, das neben dem qualitativ hochwertigen Ausbildungssystem ein wesentlicher Garant dafür ist, dass sich die deutsche Wirtschaft nach wie vor auf einem hohen Niveau im weltweiten Wettbewerb behaupten kann. Bildung sei die zentrale Ressource in unserem Land, folglich bleibe Weiterbildung ein Zukunftsthema - so Prof. Dr. Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, in seinem Editorial. Um die Beteiligung an Weiterbildung zu fördern, hält er vier Punkte für besonders wichtig: Aus- und Weiterbildung stärker miteinander verzahnen! Eintrittsbarrieren in die Weiterbildung beseitigen! Anrechnungsmöglichkeiten beruflich erworbener Kompetenzen auf ein Hochschulstudium ausbauen! Weiterbildung älterer Menschen fördern!
Die Folgen des demografischen Wandels führen in einzelnen Regionen, insbesondere im Osten Deutschlands, schon jetzt zu Problemen bei der Deckung des Fachkräftebedarfs. Daher stellt sich die Frage, ob hier durch gezielte Investition in die Weiterbildung der sogenannten Qualifikationsreserven gegengesteuert werden kann. Auf der Grundlage der diesjährigen wbmonitor-Umfrage lässt sich darstellen, inwieweit aus Anbietersicht schon in der jüngeren Vergangenheit diesbezügliche Veränderungen in der Teilnehmerstruktur zu verzeichnen sind.
Angesichts einer verstärkten Nachfrageorientierung in der Weiterbildung gewinnen die Themen „Weiterbildungstransparenz“ und „Weiterbildungsberatung“ an Bedeutung. Vor diesem Hintergrundbehandelt der Beitrag Einschätzungen und Sichtweisen der (potenziell) Weiterbildungsnachfragenden, die sich insbesondere auf empirische Ergebnisse des Adult Education Survey (AES) 2010 stützen. Dabei stehen die Weiterbildungstransparenz, das Informationsverhalten sowie die Wahrnehmung und Beurteilung von Beratungsangeboten im Mittelpunkt der Betrachtung. Abschließend werden sechs Ansatzpunkte zur Verbesserung der Weiterbildungstransparenz benannt: Vernetzung von Weiterbildungsdatenbanken, Weiterbildungstests, Ausbau trägerübergreifender Weiterbildungsberatung, Professionalisierung der Weiterbildungsberatung, Nutzung von Web 2.0-Anwendungen sowie eine optimierte Kombination von Informations- und Beratungsangeboten.
Die Beteiligung an beruflicher Weiterbildung bleibt hinter bildungspolitischen Zielmarken zurück. Sie soll daher durch Förderprogramme auf Bund- und Länderebene gesteigert werden. Doch scheint damit eine Mobilisierung zur Teilnahme nicht im gewünschten Maß erreicht zu werden. Von der Annahme ausgehend, dass Individuen sich dann für eine Weiterbildung entscheiden, wenn sie damit ihnen wichtige Ziele erreichen können, beschreibt der Beitrag, wie sich der subjektiv erwartete Nutzen einer Weiterbildungsteilnahme zusammensetzt und analysiert Unterschiede in den Nutzenkomponenten exemplarisch für verschiedene Altersgruppen bzw. Weiterbildungsszenarien. Abschließend wird diskutiert, wie sich Weiterbildungsabstinente für eine Teilnahme gewinnen lassen.
Die Alterung der Belegschaften erhöht den Stellenwert lebenslangen Lernens für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Allerdings belegen Forschungsergebnisse, dass ältere Teilnehmende Weiterbildung eine geringere Effektivität beimessen als jüngere Altersgruppen. Im Beitrag werden Gründe für die mit dem Alter abnehmende wahrgenommene Effektivität von Weiterbildung untersucht. Das zentrale Argument ist hierbei, dass die geringere Effektivität hauptsächlich an einem nicht altersgerechten Angebot von Weiterbildungsformen und Weiterbildungsinhalten liegt. Es werden Weiterbildungsarten identifiziert, die den Bedürfnissen und der Motivation älterer Mitarbeiter/-innen entsprechen und somit dem steigenden Bedarf an Weiterbildung dieser Beschäftigtengruppe entgegenkommen und deren Effektivität erhöhen.
Im internationalen Vergleich bleiben deutsche Betriebe bei der Weiterbildung ihrer Beschäftigten hinter den Erwartungen zurück. Angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels und steigender Tätigkeits- und Qualifikationsanforderungen müsste die betriebliche Weiterbildung aber als wichtiges Instrument zur Absicherung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und zur Deckung des Qualifizierungsbedarfs zunehmend von Betrieben nachgefragt werden. Auf der Grundlage einer aktuellen Betriebsbefragung des BIBB werden dieser Zusammenhang sowie weitere mögliche Einflussfaktoren auf die Weiterbildungsbereitschaft von Betrieben im Beitrag beleuchtet.
Weiterbildungsfonds gehören zu den international etablierten Instrumenten, mit denen der Staat, die Sozialpartner oder beide gemeinsam versuchen, die Finanzierung der Weiterbildung auf eine breitere Basis zu stellen und die Weiterbildungsbereitschaft zu erhöhen. Angesichts eines drohenden Fachkräftemangels und sinkender Weiterbildungsinvestitionen stellt sich auch in Deutschland die Frage, inwieweit die Einrichtung von Weiterbildungsfonds und somit eine Umlagefinanzierung von Weiterbildung ein geeignetes Mittel sein kann, den genannten Problemen zu begegnen. Im Beitrag werden am Beispiel von Frankreich, den Niederlanden und Korea zunächst verschiedene gängige Fondsmodelle skizziert und die wichtigsten Konstruktionsmerkmale von Fonds dargestellt. Auf dieser Basis wird schließlich ein Modell eines Weiterbildungsfonds für Deutschland entwickelt.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit dem Programm „Bildungsprämie“ individuelle Investitionen in berufliche Weiterbildung. Die Bildungsprämie gewährt eine Reduzierung der Weiterbildungskosten um 50 Prozent und soll Erwerbstätige zur Teilnahme an Weiterbildung mobilisieren. Im Beitrag wird gezeigt, wie im Rahmen der wissenschaftlichen Evaluation der ersten Förderphase der Bildungsprämie Mobilisierung gemessen wird und es werden erste Ergebnisse vorgestellt.
In der öffentlichen Förderung beruflicher Weiterbildung lässt sich eine Zunahme nachfrageorientierter Förderprogramme, insbesondere von Bildungsgutscheinen, feststellen. Mit diesen Programmen werden Beschäftigte und Betriebe direkt gefördert und finanziell in ihrer Weiterbildungsteilnahme unterstützt. Der Beitrag gibt einen Überblick über Gutscheinprogramme und stellt eine übergreifende Typologie nachfrageorientierter Förderung vor, die für Wissenschaft und Praxis mehr Transparenz schaffen soll. Abschließend wird diskutiert, ob eine weitgreifendere Beratung, die bereits bei der Bildungsbedarfsentwicklung ansetzt, die Effektivität dieser Programme verbessern kann.
Mit den Herausforderungen des demografischen Wandels für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) beschäftigt sich das Projekt 'female PROFESSIONALS. Frauenpotenziale in Betrieben nutzen!', welches der Bundesarbeitskreis ARBEIT und LEBEN gemeinsam mit seinen Landesarbeitsgemeinschaften und dem Bildungswerk der Wirtschaft Sachsen-Anhalt an sechs Standorten durchführt. Insgesamt werden über hundert KMU bei der Analyse, Förderung und Nutzung der Potenziale ihrer Mitarbeiterinnen um 50 Jahre unterstützt und die Weiterbildungsbeteiligung der Frauen in dieser Altersgruppe durch konkrete Vereinbarungen erhöht.
Die SICK AG hat im Jahr 2005 das Logistik-Qualifizierungs-Konzept 'LOQUO' eingeführt, das sich bis heute als festes Personalentwicklungsmodell etabliert hat. Zielgruppe der Qualifizierungen sind vorzugsweise an- und ungelernte Beschäftigte aus der Logistik. Im Beitrag werden die Herangehensweise und Umsetzung sowie Erfahrungen aus sechs Jahren näher beschrieben.
In den letzten Jahren wurden in den Bundesländern neue Regelungen für das Studium ohne Abitur geschaffen. Im Beitrag werden die Folgen dieser Öffnung für die Studienberechtigung und -entscheidung von beruflich Qualifizierten unter Berücksichtigung fördernder wie hinderlicher Rahmenbedingungen skizziert. So haben die Regelungen zu einer massiven Steigerung der Studienberechtigten aus der beruflichen Bildung geführt. Doch nach wie vor nimmt nur ein Bruchteil davon ein Hochschulstudium auf. Da das Interesse an einem Studium zu wachsen scheint, sind für die geringe Studierneigung ungünstige Rahmenbedingungen verantwortlich zu machen. Solange diese nicht geändert werden, kann man nicht erwarten, dass der Anteil der beruflich Qualifizierten ohne Abitur an den Studienanfängerinnen und -anfängern merklich ansteigt.
Mit der Neufassung von § 43 Abs. 2 im Rahmen der Reform des BBiG von 2005 wurden die Möglichkeiten der Zulassung vollzeitschulisch Ausgebildeter zur Kammerprüfung in einem Ausbildungsberuf nach BBiG bzw. Handwerksordnung (HwO) erweitert und so die Voraussetzungen für die damit verbundene Anerkennung der Gleichwertigkeit vollzeitschulischer und dualer Ausbildungsgänge spezifiziert. Zugleich wurde den Ländern die Option eröffnet, die Verantwortung der regionalen Akteure im Rahmen dieser Neuregelung zu stärken. Im Beitrag werden die damit verbundenen Ziele erläutert, Projekte vorgestellt, die im Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER verschiedene Modelle zur Umsetzung erprobt haben, und die daraus abzuleitenden Erkenntnisse erörtert.
Die letzte Sitzung des Hauptausschusses des BIBB im Jahr 2011 behandelte folgende Themen: BIBB-Expertise zu dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufen, Integrierte Ausbildungsberichterstattung, aktuelle Ausbildungsstellensituation, technologieorientierte Kompetenzmessung, deutscher Qualifikationsrahmen.
Bei betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen verlangen Arbeitgeber häufig eine Beteiligung der Beschäftigten an den Kosten. Nach der Rechtsprechung ist das unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Der Beitrag stellt dar, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang Beschäftigte durch Rückzahlungsklauseln an den Vertragsarbeitgeber gebunden werden dürfen.
Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat auf seiner Sitzung am 15. Dezember 2011 in Bonn eine Empfehlung für eine Ausbildungsregelung zum Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik/Fachpraktikerin für Zerspanungsmechanik verabschiedet. Empfehlung des Hauptausschusses
Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat auf seiner Sitzung am 29. November 2011 in Bonn eine Stellungnahme zur Bewertung des Beschlusses der Kultusministerkonferenz (KMK) zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) abgegeben. Stellungnahme des Hauptausschusses